Eine mythologische Dokumentation über ein Stahlwerk und die Folgen für Sopran, Tonband, Schauspieler, Sprechchor- und -solist*innen
Text/Musik: Hesiod, Aischylos, Zeitzeugen aus Taranto, Giuliano Scabia und Cesare Pavese/Luigi Nono,
Das Stück verbindet als mythologische Dokumentation Luigi Nonos sozialkritisches Werk für Tonband und Sopran über das große Stahlwerk in Genua von 1964 mit Fragmenten des Prometheus- und Pandora-Mythos bei Hesiod und Aischylos und zeitgenössischen O-Tönen von Bürger*innen der italienischen Hafenstadt Taranto, die heute das größte und todbringendste Stahlwerk Europas beherbergt (toxische Emissionen und extrem erhöhte Krebsraten und Kindersterblichkeit in der Umgebung sind die Folge) – ein Stahlwerk das von der gleichen Staatsfirma wie das genuesische errichtet wurde. Die elektronische Musik Nonos, in die zur live-Sopranstimme zahlreiche O-Töne des Stahlwerks in Genua eingearbeitet sind und deren Libretto u.a. auf Interviews mit Arbeitern vor Ort beruht, trifft hierbei auf den von einem Schauspieler verkörperten Prometheus-Mythos sowie auf sprechchorisch und solistisch dargestellte Zitat-Fragmente von Betroffenen aus Taranto, die vor die Alternative ´Arbeit` oder ´Gesundheit` gestellt werden. Dieser Sprechchor besteht aus acht Bürger*innen von Taranto, die für das Projekt im Juni 2026 gecastet werden. Joscha Zmarzlik hat bereits im Januar 2025 in Taranto Interviews mit Betroffenen geführt und wird diese Interviewreihe im Juli 26 fortsetzen, um weiteres dokumentarisches Material zu sammeln.
Eine installative Video-Ebene zeigt im Hintergrund eine Zeitraffer-Aufnahme des Stahlwerks von Taranto, das vom Tag in die Nacht hinübergleitet sowie Ausschnitte aus dem Dokuemntarfilm „Der Planet Stahl“ mit dem Anfang der 60er Jahre Werbung für das Großprojekt von Taranto gemacht wurde.
An Nonos Titel „La fabbrica illuminata“ – „Die erleuchtete Fabrik“ interessiert uns heute die ökologische Dialektik der Aufklärung – die Fabrik als Allegorie einer ‚Kultur des Feuers‘, die historischen Fortschritt und zugleich tödliche Bedrohung in globalem und lokalen Maßstab bedeutet. Das chorische Element, das schon bei Nono eine große Rolle spielt (Tonband), fragt in der theatralischen Collage angesichts des antiken Mythos (Chor antik) und der lokalen und globalen Katastrophe(n) (Chor zeitgenössisch) auch nach der Aktualität einer Art ‚ökologischen Kollektivität‘.